Kino- und Filmstadt Freiburg


Freiburg ist keine Filmstadt. Berlin, München, Hamburg, Köln: Das sind Filmstädte. Freiburg ist eine Kinostadt. Laut Jahres­statistik der Filmförderungsanstalt (FFA) gingen im Jahr 2008 in Freiburg 1.136.105 Menschen ins Kino. Verteilt auf die 24 Kinosäle der Stadt waren das 47.338 Besucher pro Kinosaal – das ist Platz fünf in Deutschland. Rechnet man diese Zahlen auf die knapp 220.000 Einwohner um, so geht jeder Freiburger 5,2 Mal im Jahr ins Kino: Da kommen selbst die Münchner und Hamburger nicht mit, das ist unangefochten Platz eins.

Zwei Gründe gibt es für diese Spitzenposition: die 25.000 Studenten in der Stadt und das engagierte Filmprogramm von Michael Wiedemann in den Friedrichsbau-Kinos, im Kandel­hof und seit einiger Zeit auch in der Harmonie. Wiedemann zeigt in Zeiten des Mainstreams und der großen Kinopaläste Programmkino pur – hier laufen, durchaus nicht vor leeren Rängen, auch Filme von Romuald Karmarkar und Harun Farocki, die außer Wiedemann niemand mehr zu kennen scheint. Oft sind die Regisseure selber anwesend zum Start ihres Films und stellen sich der Diskussion mit dem Publikum – bei den Filmemachern und den Filmverleihern hat die Meinung des Freiburger Kinopublikums Gewicht.

Noch ein Ort hält in Freiburg die Fahne der Filmkunst hoch: Das Kommunale Kino im Alten Wiehrebahnhof wird seit Jahren für seine Filmreihen und Werkschauen mit dem 1. Preis des deutschen Kinemathekenverbundes ausgezeichnet, und das freiburger film forum mit seinen sozial-dokumentarischen Themen-Programmen hat hier seinen Spielort. Viele Freiburger Filmemacher präsentieren und diskutieren im KoKi ihre Arbeiten – denn ein „bisschen“ Filmstadt ist Freiburg natürlich auch …

Ende der 1970er Jahre machte sich die Medienwerkstatt Freiburg über die Stadt hinaus einen Namen: Das Kollektiv begann damals, seine Filme auf Video zu produzieren, und versuchte, im Kampf gegen das Atomkraftwerk Wyhl und in den Auseinandersetzungen der Häuserkämpfe eine Gegenöffentlichkeit herzustellen – neben Berlin war Freiburg zu Beginn der achtziger Jahre das Zentrum der alternativen Medienarbeit in der Bundesrepublik. Zu den Gründungsmitgliedern der Medienwerkstatt gehörten Mirjam Quinte, heute erfolgreiche Filmproduzentin in Freiburg, Pepe Danquart, Dokumentarfilmer und 1994 Oscar-Gewinner für seinen Kurzfilm „Schwarzfahrer“, sein Zwillingsbruder Didi Danquart, Autor und Spielfilmregisseur, Mike Schlömer, Leiter des freiburger film forums, und Wolfgang Dietrich, Kommunales Kino. Ein wichtiger Förderer der Medienwerkstatt war der heute in Freiburg fast vergessene, am 22. Juli 2009 verstorbene, damals in dieser Stadt lebende Peter Krieg, der in seinem Dokumentarfilm-Klassiker „Septemberweizen“ (1980) am Beispiel der amerikanischen Weizenproduktion nach den Ursachen von Hunger in Zeiten des Überflusses forschte – deutsche Filmgeschichte made in Freiburg, zu der natürlich auch die Namen Arnold Fanck (1889–1974) und Sepp Allgeier (1895–1968) gehören: Der Regisseur, der 1920 die Berg- und Sportfilm GmbH Freiburg gründete, und sein Kameramann schufen in den 1920er Jahren das Genre des Bergfilms – mit atemberaubenden Naturaufnahmen und Luis Trenker („Der Berg des Schicksals“,1924) und Leni Riefenstahl („Der heilige Berg“, 1926) zum ersten Mal vor der Kamera.

Die Kinostadt Freiburg war und ist also auch eine kleine Filmstadt, deren heutige Filmemacher hauptsächlich in dokumentarischen Arbeiten Kultur- und Gesellschaftsthemen unserer Zeit reflektieren – im Gegensatz zu den restaurativen Tendenzen im Heimatfilm à la „Schwarzwaldmädel“ in den fünfziger bis zur Fernsehserie „Schwarzwaldklinik“ in den achtziger Jahren, die keine Geschichten aus der Region erzählten, sondern Landschaft und Menschen als Kulisse benutzten: Klischee-Bilder, Medien-Märchen, audio­visuelle Betäubungstabletten. Die Freiburger Dokumentarfilmerinnen und -filmer der Gegenwart (wie Sigrid Faltin, Reinhild Dettmer-Finke, Tamara Spitzing, Peter Ohlendorf und Ingo Behring) zeigen in ihren Filmen soziale Realitäten und persön­liche Schicksale, von denen es auch in der Idylle Freiburg zu erzählen gilt – und, genauso wichtig: Sie richten den Blick auf deutsche und globale Problemfelder, die alle angehen – Klimawandel und ökologische Landwirtschaft, zum Beispiel, sind nicht nur relevante Themen für die Winzer im Kaiserstuhl und Markgräflerland.

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MACHER UND INSTITUTIONEN DIE DIE FREIBURGER FILMSZENE PRÄGEN.
Ganz persönlich und individuell ausgewählt, nominiert:

Ingo Behring www.behringfilm.de
Reinhild Dettmer-Finke www.defi-filmproduktion.de
Sigrid Faltin www.whitepepper.de
freiburger film forum www.freiburger-filmforum.de
Kommunales Kino www.kommunale-kinos.de
location office region freiburg www.locoff.de
Paul Meyer meyer-film@t-online.de
Peter Ohlendorf peter@ohlendorf-online.de
Mirjam Quinte www.quintefilm.de
Tamara Spitzing www.tamaraspitzing.de