Kultur ist
mehr!


Kunst ist immer individuelle Setzung, Kultur dagegen kollektive Spannung. Es entsteht aber keine Kunst ohne eine förderliche Kultur, und keine Kultur überlebt ohne Künste, die sie herausfordern“, hat der Komponist Wolfgang Rihm das Verhältnis von Kunst und Kultur einmal treffend beschrieben. Mit deutlichem Bekenntnis zum Kulturstadt-Profil hat der Freiburger Gemeinderat Anfang 2007 „Kulturpolitische Leitziele“ beschlossen. Gemeinsam mit Hunderten Bürgerinnen und Bürgern wurden ein „Leitbild kulturelle Stadtentwicklung“ und mehrere konkrete Handlungskonzepte erarbeitet. Niemanden verwundert, dass in der Kulturstadt Freiburg die Förderung der Künste und Kunstschaffenden auch künftig ebenso im Zentrum der Kulturpolitik stehen wird wie die Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes, das in Museen, Archiven, Theatern, Bibliotheken, Orchestern und Chören interpretierend lebendig gehalten wird.

Kulturstadt aber bedeutet mehr! Eine traditionelle Einwanderungs­-stadt wie Freiburg muss sich den interkulturellen Realitäten viel offensiver stellen. Kulturelle Vielfalt und interkultureller Reichtum sind Chance und Verpflichtung für die Kultur wie für die Stadtentwicklung insgesamt. Und da sich das Gelingen oder Scheitern gesellschaftlicher Integration und der Anspruch an eine soziale Stadt vor allem in den Wohn­quartieren entscheidet, kommt einer vielfältigen und aktiv geförderten Stadtteilkultur eine wachsende Bedeutung zu.

Eine Kulturstadt muss, will sie als Stadt der Künste ernst genommen werden, vor allem ihre Verantwortung für Kinder und Jugendliche, für die „Kultur des Aufwachsens“ in der Stadt viel ernster nehmen. Inzwischen setzt ein gesamtstädtisches Netzwerk Kulturelle Bildung wichtige Impulse, um das bisherige Nebeneinander verschiedenster „Zuständigkeiten“ zu einem Bewusstsein „gemeinsamer Verantwortung“ zu entwickeln.

Erste Schritte in eine zukunftsfähige kulturelle Stadtentwicklung sind getan. Die Perspektive geht von der Kultur in der Stadt zu einer ganzheitlichen Kultur der Stadt. Dafür muss es gelingen, die viel zu stark verbreitete und dämliche Polarisierung zwischen wichtigen Leitbildern (Kulturstadt, Soziale Stadt, Ökostadt etc.) aufzubrechen und gemeinsam an einer ganzheitlichen Idee von Stadt zu arbeiten, die sich an Werten ausrichtet und die Qualität des Lebensraums Stadt zum Maß der Dinge macht. Dann klappt es auch mit der Kulturhauptstadt.