Freiburg – die Stadt
der kulturellen
Vernetzungen
und der
Bürgerbeteiligung.
Die Stadt hat ihren eigenen Swing, damit hatte der frühere Oberbürgermeister Rolf Böhme am Ende seiner Amtszeit für die Stadt und ihre kulturelle Vielfalt geworben. Grundlegend für die differenzierte und vielseitige Kulturszene von heute sind die 1980er Jahre, in denen es harte Kämpfe um Kulturstätten und den Erhalt von günstigem Wohnraum in der Stadt gab. Damals waren bis zu 20.000 Menschen auf den Straßen, die sich an Demonstrationen gegen die städtische Politik beteiligten. Diese Auseinandersetzungen, deren Befriedung und der gewonnene Kampf gegen das Kernkraftwerk Wyhl mögen dazu beigetragen haben, dass die Bürgerschaft ihre Beteiligung an politischen Prozessen immer wieder einfordert und die kulturelle Szenerie eine eigene Ausdifferenzierung erlebt hat, wie sie eigentlich nur in einer Großstadt möglich ist.
Die Fabrik für Handwerk, Kultur und Ökologie, das Crash, das Jazzhaus, das Kommunale Kino, das Kulturhaus E-Werk, die Ausländerinitiative Südwind, das Freiburger Kinder- und Jugendtheater sind allesamt ehemals alternative Einrichtungen, die sich längst ein bürgerliches Publikum erschlossen haben und aus dem reichhaltigen Angebot der Stadt nicht mehr wegzudenken sind. Kleintheater, freie Theater, Galerien, Musik-Ensembles und die vielen Chöre, eine große und profilierte Künstler/innenszene und die erstarkte Medien-/Filmszene bilden ein qualitativ angemessenes Äquivalent zu den hoch qualifizierten Orchestern, den städtischen Museen in neuem Glanz und dem renommierten Stadttheater.
Das geht natürlich nicht ohne die entsprechenden Netzwerke: Die Vernetzung der Tanz- und Theaterschaffenden oder der Galerienverbund, mehrklang!freiburg als Runder Tisch der Neuen Musik oder das Netzwerk Multicore als Zusammenschluss der Bands in der Stadt, das projektierte Ensemblehaus als Probezentrum von Barockorchester und ensemble recherche oder Pfiff als Verbund der Figurentheater, der Freiburger Kulturrat als graue Eminenz aus politischen Tagen oder die neue Initiative KULTUR MACHT REICH als Zusammenschluss aller kulturellen Einrichtungen und künstlerischen Gruppierungen – sie alle zeugen davon, dass es in Freiburg eine starke und aktive Kulturszene gibt, die sich Geltung verschafft, die gut vernetzt ist und die Kunst und Kultur im innovativen Zusammenhang weiterentwickeln will. Einige Kürzungen in der Vergangenheit konnten jedoch nicht verhindert werden.
Badische Tradition ist die starke Bürgerbeteiligung, die schon zu mehreren Bürgerentscheiden geführt hat. Der letzte aus dem Jahre 2006 über den Verkauf des städtischen Wohnungsbestandes wurde zum triumphalen Erfolg des Bürgerwillens. Eine Erfolgsgeschichte ist auch das unter großer Beteiligung von Expert/innen und der gesamten Freiburger Bürgerschaft entstandene „Kulturkonzept Freiburg 2005–2008“, welches jüngst als Buch erschienen ist. In vielen Workshopstunden wurden hier die Leitlinien städtischer Kulturpolitik und die daraus folgenden Maßnahmen erarbeitet, welche die Kulturstadt Freiburg in der Zukunft umsetzen könnte und sollte, um die Kultur als Markenzeichen der Stadt weiter zu positionieren. Damit ist auch die Bewerbung Freiburgs als Kulturhauptstadt Europas 2020 ff. in greifbare Nähe gerückt. Mit der Oberrheinregion gemeinsam sind die Chancen für diesen Schub an Ideen und kulturellen Impulsen als gesamtstädtische Herausforderung einmalig und sollten nicht vertendelt werden.

