
Dr. Bernd Dallmann
Geschäftsführer Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM)
www.fwtm.freiburg.de
Kulturwirtschaft –
prägend für die
Stadtentwicklung.
Wirtschaft und Kultur sind in der europäischen Tradition getrennte Sphären. Dies zeigt bereits die strikte Trennung von Wirtschaftsteil und Feuilleton in den Tageszeitungen und reicht über die Unterscheidung von Geistes- und Sozialwissenschaften tief in die Geisteshaltung der handelnden Personen hinein. Akteuren im Kulturbereich gilt das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg oftmals als profan. Und in der Ökonomie wurde die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Dimension des Kultursektors lange unterschätzt.
Erst in jüngster Zeit gilt der Kulturbereich als ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor. Obwohl weite Teile seit jeher privatwirtschaftlich organisiert sind, wird der gesamte Kulturbereich erst seit wenigen Jahren als Querschnittsbranche wahrgenommen, die sowohl Güter als auch Dienstleistungen produziert. Dazu zählen der Literatur-, Buch-, Presse- und Kunstmarkt, die Rundfunk- und Filmwirtschaft, Design und Architektur sowie die Darstellende und Unterhaltungskunst. Schätzungen zufolge hat der gesamte Bereich im Jahr 2008 ca. 63 Milliarden Euro erwirtschaftet und ist damit hinter Maschinenbau und Automobilindustrie der drittgrößte Wirtschaftszweig mit deutschlandweit 238.000 Unternehmen und einer Million Erwerbstätigen. Die gesamte Branche zeichnet sich durch hohe Dynamik und einen überdurchschnittlichen Anteil an Selbstständigen und Freiberuflern aus. Durch die Verwendung moderner projektabhängiger und vernetzter Arbeitsformen und eine beispielhafte Offenheit für neue Technologien besitzt die Kulturwirtschaft Modellcharakter.
Neben ihrer Bedeutung als Wirtschaftsfaktor spielt die Kulturwirtschaft jedoch noch in anderer Hinsicht eine Rolle: Sie ist, allem voran, ein Standortfaktor und prägend für die Stadtentwicklung. Und dies in zweierlei Hinsicht: Erstens spielt auf dem Weg zur Wissensgesellschaft für Unternehmensansiedlungen die Frage der Verfügbarkeit hoch qualifizierter Fachkräfte eine entscheidende Rolle. Und für diese wiederum sind Qualität und Umfang des kulturellen Angebots ausschlaggebend für die Attraktivität einer Region. Zweitens: Wissen und Kreativität bieten den idealen Nährboden für Innovation und wirtschaftliche Entwicklung und sind damit Grundlage für zukünftige und nachhaltige Prosperität von Standorten. Denn, so Charles Landry: „Alle Städte haben nur eine entscheidende Ressource: Die besondere Befähigung der Menschen, die in ihr leben.“