Das Gegenteil von Kultur?
Sitze in einer Kneipe auf der Reeperbahn. Vor mir spielt eine lokale Gitarrenband vor einem teils aufmerksam begeisterten, teils zufällig überwältigten Publikum. Sitze hier, um einen Beitrag über Rockmusik in Freiburg zu schreiben. Hier im Club hat Geschichte stattgefunden, ohne die auch in Freiburg Rock&Pop nicht das wäre, was es heute ist …
Aufgewertet!
Habe mich sehr gefreut, als die Damen und Herren Macher dieses Buches an mich herantraten, um diese kantige, sperrige, manchmal stinkende und dann doch auch wieder sanfte und gefällige, liebevolle Musik auf Freiburg bezogen in Worte zu fassen und für diejenigen einzutüten, die Kultur haben oder es zumindest meinen. Freue mich vor allem, weil es da draußen immer noch genügend Menschen gibt, für die alles, was im Entferntesten mit Rock und Pop, sogar noch mit Jazz zu tun hat, das glatte Gegenteil von Kultur ist. So bin ich dankbar, Rock und Pop als Schulterschluss neben den vielen tollen Ensembles, Orchestern, Chören, Theatern, Literaten, Cineasten und Galerien oder Schriftstellern, Malern und Tänzern in dieses Buch einzubringen!
Freiburg rockt!
Es verhält sich wie in den anderen Sparten auch: Freiburg hat für seine Einwohnerzahl eine überproportional große und auch qualitativ hochwertige Szene (wobei man eigentlich nicht von einer Szene sprechen kann). Eine leider nie richtig zu Ende gebrachte Erhebung eines soziologischen Instituts der Uni hat 2006 ergeben, dass es seinerzeit ca. 360 Bands in Freiburg gab. Die meisten, die es in Freiburg zu überregionalem Erfolg bringen, verlassen die Stadt recht schnell. Die Stadt an sich nimmt kaum Notiz. Reamonn, Judith Holofernes (Wir sind Helden), Tele, Chris Weller (zahllose Filmkompositionen, Titelmusik für „Wetten, dass…?“), um mal einige zu nennen. Andere Städte brüsten sich nicht erst nach Wegzug, bauen stattdessen sofort ein eigenes Marketingkonzept um ihre „Söhne“. Auch Hamburg zeigt (spät) Einsicht – inzwischen wirbt die Hansestadt verstärkt mit „ihren“ Beatles.
Es blüht!
Doch lassen wir das Nachkarten, schauen wir aufs Jetzt: Die Live-Szene hat sich mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts erfreulich belebt. Neben den großen Konstanten (Jazzhaus, ZMF, E-Werk, Crash, Tourneeproduktionen in den Bürgerhäusern oder Messehallen) gibt es mit dem Waldsee, der Wodan Halle, dem Auditorium der Jazz & Rock Schulen, der KTS, der Mensabar oder dem Vorderhaus noch mittelgroße Locations und erst recht viele kleine „echte“ Clubs, in denen die Live-Kultur blüht: Atlantik, Swamp, White Rabbit, Walfisch, Kamikaze, Jos Fritz, The Great Räng Teng Teng, My Way, Egon 54, Elpi etc. Die kleinen Stätten werden oft mehr von Idealismus als von wirtschaftlicher Vernunft getragen – fehlt doch der Kultursparte neben der offiziellen Anerkennung auch die entsprechende Förderung. Hier treten sie auf, die vielen Bands, nicht nur aus Freiburg. Auch hier lässt sich ein Vergleich mit den großen Metropolen unseres Landes nicht zum Nachteil Freiburgs an. Nicht zuletzt dank einiger Netzwerke, u.a. Multicore Freiburg e.V., über die Wettbewerbe, Workshops und Konzerte organisiert werden, ist die Rockmusikszene nach den unauffälligeren 1990ern wieder zu neuem Leben erwacht. Die Vielfalt an unterschiedlichen Stilistiken ist so groß, dass sogar Fachleute Schwierigkeiten haben, alle Auswucherungen im Metal, die Verästelungen der neuen Spielarten im Rock oder die rückwärtsgewandten Retro-Combos eindeutig zuzuordnen. Das möge dem einzelnen Zuhörer obliegen – bei 360 Bands kann man sich ja jeden Tag eine andere anhören und – sehen!
Jeden Tag eine andere …
Im Folgenden eine kleine Auswahl von Bands und Künstlern, die auch über Freiburg hinaus unterwegs sind und sich über Jahre einen guten Ruf erspielt haben. Doch die Halbwertzeit einer Band ist gering – während des Schreibens dieser Zeilen hat sich bestimmt mindestens eine Band aufgelöst, dafür wurde dann aber auch mindestens eine neue gegründet …
Zurück auf der Reeperbahn: Auch den Beatles wurde 1962 prophezeit, die Zeit der Gitarrenbands sei endgültig vorbei. Sieh an!
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MACHER UND INSTITUTIONEN DIE DIE FREIBURGER ROCK/POPSZENE PRÄGEN.
Ganz persönlich und individuell ausgewählt, nominiert:
Blue Babies www.bluebabies.de
Boogie Connection www.boogie-connection.de
Tim Beam www.timbeam.de
Cadillac Blues Band http://freenet-homepage.de/cadillacbluesband
Fear My Thoughts www.fearmythoughts.com
Maeve Kelly www.maevekelly.de
Leopold-Kraus-Wellenkappelle www.leopold-kraus-wellenkapelle.de
Liquid Laughter Lounge Quartett www.lllq.de
Patty Moon www.pattymoon.de
Reamonn www.reamonn.com
TELE www.teledieband.de
The Brothers www.thebrothers.de
The Pleasure www.thepleasure.de

