Wo ist die Kunst …
… In der Provinz? Dort existiert sie zunächst einmal nur in den Köpfen. Und weil in der Provinz die Bedeutung künstlerischen Arbeitens als gesellschaftliches Potenzial und wirtschaftlich relevanter Standortfaktor eher bestritten wird, stellt sich hier weitaus dringender die Frage, ob und wie Kunst das alltägliche Leben gestalten kann. Gerade deshalb bietet die Provinz eher als die Metropole geeignete Voraussetzungen für künstlerische Innovationen und schafft auf dieser überschaubaren Auseinandersetzungsebene die Chance für nachhaltige Erfahrungen beim Publikum.
Kunst in der Provinz bleibt provinziell, wenn sich künstlerische Aktivitäten nicht in einen größeren, hier am Oberrhein in einen grenzüberschreitenden Kontext einbinden lassen und immer nur um sich selbst kreisen. Dabei muss sich Kunst in der Provinz nicht zwangsläufig mit den Metropolen messen lassen, sondern es geht darum, mit eigenen Kunst- und Vermittlungskonzepten ein eigenständiges Profil kulturellen Lebens zu entwickeln.
Regionale Kunstnetzwerke
Moderne Begriffe wie Vernetzung oder Kreativwirtschaft bestimmen momentan nahezu beschwörungsartig Diskussionen, mit denen sich die Hoffnung auf eine fast schon überwunden geglaubte globale Kunstkrise verbinden. Sie sollen sprachlich das dynamisieren, was an vielen Orten schon lange gelebt wird. Vor vielen Jahren schlossen sich in Freiburg Galerien, private und öffentlich geförderte Kunstinstitutionen zu einer Interessensgemeinschaft zusammen, um mit einem gemeinsamen Auftritt regional und überregional das Publikum auf die Kunstaktivitäten in der Stadt aufmerksam zu machen. Nun zwar schon etwas in die Jahre gekommen bleibt diese Idee jedoch ganz aktuell. Die Chancen für eine kulturpolitische Mitbestimmung wachsen und werden immer wichtiger angesichts radikaler Kürzungen kommunaler Mittel, etwa für den traditionsreichen Freiburger Kunstverein. Die zunächst zögerliche Einmischung bei der Frage nach der Neubewertung des Standortfaktors Kunst in Freiburg sollte zur Selbstverständlichkeit werden.
Kunst als Schnittstelle
Wie kann sich also der Kunstort Freiburg in dem genannten Kontext spezifisch positionieren? Im Vergleich zu dem definierten öffentlichen Auftrag der Museen und Ausstellungshäuser, den kommerziellen Zwängen der Galerien konnten sich Orte wie die beiden großen Stiftungen Morat und Bürkle gerade durch ihre Unabhängigkeit, die Möglichkeit zum Aufbau von Sammlungen und durch ein großes Engagement für Kunst und Künstler in den internationalen Kunstdiskurs einbinden. Ergänzend bietet im Ausbildungsbereich die Außenstelle der Staatlichen Akademie für Bildende Kunst Karlsruhe und weitere Ausbildungsorte im Dreiländereck ein großes künstlerisches Potenzial. In diesem Freiraum können experimentelle, noch ungesicherte künstlerische Positionen und damit verbunden Vermittlungsinhalte und künstlerische Strategien entstehen. Der Gegenwartsbezug manifestiert sich nicht nur in der Orientierung an zeitgenössischer junger Kunst und deren Präsentation, sondern weitreichender auch in der reflektorischen Auseinandersetzung mit den sich veränderten Bedingungen von und durch Kunst. Es gilt noch mehr
nachzufragen, wo und wie die Kunst, durch wen und mit welcher
Absicht vermittelt wird. Kunst wird so zum Seh- und Gesprächsanlass mit gesellschaftlicher Relevanz.
Kunst braucht Öffentlichkeit
Kunst wird zur Kunst erst durch Kommunikation. Bleibt die Kunst nur auf den Ort beschränkt, fehlt der Diskurs mit der Kunstwelt. Ohne diesen Anschluss verlieren lokale Kunstaktivitäten an Bedeutung. Nicht Abgrenzung, sondern Vernetzung, virtuelle und reale Kunstnetzwerke schaffen eine Offenheit, die Auseinandersetzung und Sensibilisierung für das Thema Kunst ermöglichen.
Online-Foren wie etwa „dock: aktuelle Kunst aus Basel“ oder das Kunstportal „artline“ sowie das gleichnamige Kunstmagazin für die Region zwischen Karlsruhe, Stuttgart, Straßburg, Mulhouse, Freiburg, Basel, Bern, Zürich, Bregenz, Vaduz, München sind Initiativen, die hier neue Lösungen anbieten. Hier wird nicht mehr die alte Zeit beschworen, als der öffentlich-rechtliche Rundfunk noch geholfen hat, oder auch nicht darauf gewartet, dass die großen Feuilletons vielleicht doch noch eines Tages einen Vertreter in die Provinz schicken. Hier wird eine eigene Öffentlichkeit geschaffen, kleiner, spezifischer, aber für jeden zugänglich.
__
MACHER UND INSTITUTIONEN DIE DIE FREIBURGER GALERIE/KUNSTSZENE PRÄGEN.
Ganz persönlich und individuell ausgewählt, nominiert:
Galerie artopoi www.artopoi.de
Galerie Albert Baumgarten www.galerie-baumgarten.de
galerie foth www.artww.de/galeriefoth
Galerie G dr.gudrun.selz@t-online.de, 0761-77657
Galerie Meier www.galerie-meier-freiburg.de
galerie pro arte www.galerieproarte.de
POST FINE ARTS www.post-fine-arts.com
E-Werk www.ewerk-freiburg.de
kulturwerk T66 www.bbksuedbaden.de
Kunstraum Alexander Bürkle www.kunstraum.alexander-buerkle.de
Kunsthaus und Künstler Werkstatt L6 www.kunsthausl6.freiburg.de und www.kuenstlerwerkstatt-l6.de
Kunstverein Freiburg www.kunstvereinfreiburg.de
Morat-Institut für Kunstwissenschaft www.morat-institut.de

