Regionale Kunst und
internationaler Kunstdiskurs
Gibt es eine Lokalisierbarkeit künstlerischer Produktion in einem geografisch definierten Raum? Was als modellhafte Frage in Zeiten der Globalisierung fast anachronistisch klingt, thematisiert wichtige Fragestellungen in der Gegenwartskunst nach Positionen, Diskurs und Vergleich. Es ist die Suche nach verbindlichen Kriterien in der Kunst und zugleich eine offene Frage nach dem Zusammenhang von Regionalität und Internationalität, Abgrenzung und Öffnung.
Beispielhaft hierfür stehen Ausstellungen der letzten Jahre wie etwa „Freie Sicht aufs Mittelmeer“ (Zürich, 1998), „Shifting Identities“ (Zürich, 2009) und „Vertrautes Terrain“ (Karlsruhe, 2009), die sich dem Thema der Identität unter den Bedingungen der Globalisierung widmeten. Alle werfen dabei einen Blick auf die jeweilige Kunstszene ihres Landes und liefern den Zweifel an der Haltbarkeit einer solchen von nationalen oder geografischen Grenzen geprägten Perspektive gleich mit. Daraus ergeben sich die Fragen: Was soll das eigentlich sein, Schweizer Kunst und deutsche Kunst? Grundsätzlich gibt es zwei konzeptionelle Ansätze für eine nationale Schau: zum einen den Überblick über den Produktionsstandort und zum anderen die Suche nach gemeinsa-men Themen, Orten und Personen, die für eine nationale Kultur stehen.
Die Lokalisierbarkeit künstlerischer Produktion ist gerade trotz und wegen der Globalisierung wichtiges Thema auch in der Kunst. Grenzen haben sich geöffnet, unser Horizont hat sich erweitert. Aber zugleich hinterlässt sie bei vielen ein Gefühl der Unsicherheit, das den Wunsch nach neuen Grenzen, nach Geborgenheit und neuen Formen der Gemeinschaft stärkt. Es gibt aktuell die Diskussion in der Schweiz, ob das Land nicht tatsächlich eine Reihe von Spezialitäten vorzuweisen hat, wie etwa ihre besondere Demokratieform oder ihre Affinität zu Kultur und Kunst. Es gibt sie womöglich doch, die Schweizer Kunst, jedoch nicht isoliert, sondern als Plattform für eine junge Künstlergeneration, die an ähnlichen Fragestellungen arbeitet wie Künstler in der ganzen Welt. Eine Spezifizierung deutscher Themen erfolgt in diesem Zusammenhang eher nicht über Begriffe wie Heimat, sondern über Fragestellungen, die das Erfolgsgeheimnis der aktuellen deutschen Kunst betreffen: die historische Zerrissenheit, die Existenz zweier Staaten bis vor etwa 20 Jahren. Und fragt man die beteiligten Kuratoren, was die Kunst einer bestimmten Region denn auszeichnet, dann spiegelt sich hier im Kleinen, was in großen Zusammenhängen bereits formuliert wurde: Es gibt keine regionale Kunst und man kann keine regionalen Kriterien für ein Verständnis oder sogar Qualitätsurteil von Kunst anlegen. Denn Kunst zeichnet sich durch Vielseitigkeit und Diversität aus. Kunst ist universell und nicht an räumliche Grenzen gebunden.
KUNSTNETZWERKE: WWW.ARTLINE.ORG UND ARTLINE>KUNSTMAGAZIN
Kunst braucht Öffentlichkeit. Bleibt die Kunst nur auf einen Ort beschränkt, fehlt der Diskurs mit der Kunstwelt. Aber ohne diesen Anschluss verlieren regionale Kunstaktivitäten an Bedeutung. Nicht Abgrenzung, sondern Vernetzung durch reale und virtuelle Kunstnetzwerke schafft eine Offenheit, die eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema Kunst erst ermöglicht. Online-Foren wie das artline>Kunstportal und das gleichnamige Printmagazin sind Initiativen, die hier neue Lösungen anbieten. artline> schafft eine eigene Öffentlichkeit … vielleicht etwas kleiner, aber spezifischer und für jeden zugänglich.
Im Sommer 2000 startete die Freiburger Medien-Kunst-Initiative artforum3 e.V. mit dem artline>Kunstportal (früher Regioartline). Mittlerweile sind weitere EU-Projekte zu Kunst, Design, Musik und kultureller Bildung hinzugekommen. Die Förderung von (Medien-)Kunst und Künstlern in der Region gehört nach wie vor zu den Zielen des Vereins. Ausgangspunkt der Initiative war das Fehlen einer öffentlichen und unabhängigen Plattform, die die regionale Vielfalt und Qualität Bildender Kunst grenzüberschreitend abbildet. artline> ist somit das erste und bisher einzige Kunstmagazin hier im Süden, das regelmäßig über zeitgenössische Kunst im Grenzgebiet Deutschland-Frankreich-Schweiz-Österreich-Liechtenstein berichtet und dabei zwei wesentliche Aufgaben erfüllt:
1. DIE SCHAFFUNG EINER KONTINUIERLICHEN ÖFFENTLICHKEIT FÜR DAS KUNSTGESCHEHEN IN DER REGION Im Vordergrund der journalistischen Arbeit steht der Anspruch, die öffentliche Wahrnehmung für Kunstinstitutionen, Galerien sowie für Kunstschaffende zu erhöhen und eine Präsentationsplattform auf hohem Niveau zu etablieren. Es geht darum, eine engagierte substanzielle Gegenöffentlichkeit zu dem schnellen Tagesjournalismus und den Formaten der Hochglanzmagazine zu schaffen, in denen munter Kunst und Lifestyle gemischt wird.
2. DIE NACHHALTIGE VERNETZUNG DER BEREICHE ATELIER, INSTITUTION, MARKT UND PUBLIKUM. Hierfür wurden auf dem Kunstportal Verzeichnisse für Künstler, Galerien und Kunstinstitutionen eingerichtet, in denen die eigene Arbeit individuell präsentiert werden kann. Mit momentan etwa 500 Künstlereinträgen und 150 vorgestellten Galerien und Kunstinstitutionen sind diese Verzeichnisse zu einem wichtigen Informationspool und Rechercheinstrument für die Kunst geworden.
Heute besuchen das Kunstportal im Internet durchschnittlich 60.000 Leser im Monat. Seit 2005 erscheint monatlich eine Printausgabe in einer Gesamtauflage von 12.000 Exemplaren, die an über 500 ausgewählten Kunstorten zwischen Karlsruhe, Stuttgart, München, Straßburg, Mulhouse, Metz, Freiburg, Basel, Bern, Genf, Zürich, Bregenz und Vaduz ausliegen.

