Der Kunstverein Freiburg
von Bürgern für Bürger


„Auch Kunstvereine prägen die Stadt“
Gertraude Ils

Mit Vereinsgründungen reagierte im 19. Jahrhundert das aufgeklärte Bürgertum auf das allgemeine Bedürfnis nach Mitbestimmung in öffentlichen Angelegenheiten. Auch die Kunstvereine gehören in diesen Zusammenhang.

In Freiburg ergriff Josef Anton Geißler, ein „öffentlicher Mal- und Zeichenlehrer an der hiesigen Hochschule“ die Initiative und erreichte die Gründung der „Gesellschaft der Freiburger Kunstfreunde“ am 10. Februar 1827, die sich noch im gleichen Jahr in „Kunstverein Freiburg“ umbenannte.

Damit begann die lange und wechselvolle Geschichte eines der ältesten Kunstvereine Deutschlands. Zunächst war der Verein stark von Großbürgern und vom Adel geprägt, der auch die Vorsitzenden stellte, zuletzt, von 1846 bis 1881, den Freiherrn von Bömble, den der Zoologieprofessor August Gruber ablöste. Er stand dem Kunstverein 38 Jahre lang vor, ein Rekord, der bisher unübertroffen ist.

Als eine Odyssee gestaltete sich die Suche nach geeigneten Ausstellungsräumen, die 1915 ein glückliches Ende erst mit der Einweihung eines lang ersehnten und schließlich mit Spendengeldern erbauten repräsentativen Gebäudes in der Friedrichstraße nahm. 1920 wurde Karl Hofner zum Nachfolger Grubers gewählt und blieb, obwohl kein NSDAP-Mitglied, bis 1944 sowohl Bürgermeister als auch Vorsitzender des Kunstvereins.

Die zunächst recht konservative Ausrichtung der Ausstellungen wurde nach und nach vorsichtig durch­brochen, wobei es öfter zu handfesten Skandalen kam, etwa 1907 mit einer Ausstellung von Brücke-Malern, die von der BZ kommentiert wurde: „Wir dachten an eine Schlacht mit Farbnäpfen und Pinseln.“ Davon ließen sich weder Gruber noch Hofner beirren.
„Im Gegensatz zum Museum, das nur aufnimmt, was Bestand hat, sollte der Kunstverein dem Ringen und Suchen unserer Zeit die Tore öffnen“, so Hofner in seiner Rede zum hundertjährigen Jubiläum des Vereins. Hofner war es auch, der trotz des Drucks der national­sozialistischen Gleichschaltung immer wieder versuchte, neue, „entartete“ Kunst zu zeigen, bis er, vor ein Parteigericht gezerrt, am 1. November 1944 zum Rücktritt gezwungen wurde. Wenige Wochen später, am 27. November 1944, versank das Gebäude des Kunstvereins in Schutt und Asche.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte sich neben dem Aufatmen und hoffnungsvollen In-die-Zukunft-Schauen ein großer Hunger nach Kunst, war doch das Nazi-Deutschland abgeschnitten von künstlerischen Entwicklungen in freien Ländern.

So kam es, neben großer Hilfe aus Frankreich und damit verbundenen sensationellen Ausstellungen, auch zur Neugründung des Kunstvereins 1949. Mit der unvergessenen „Kunstscheune“ in der Talstraße als Treff­punkt und einem ebenso unvergessenen Siegfried Bröse als umtriebigen, sinnenfrohen und beständigen Vorsitzenden begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Freiburger Kunstvereins.
„Man freute sich einfach, sich im Kunstverein zu treffen.“
Peter Dreher

Bröse leitete die Geschicke bis 1971 und wurde abgelöst von Klaus Humpert, dem visionären und kunstbegeisterten Freiburger Stadtplaner, der dieses Amt bis 1986 innehatte und in Helena Vetter eine ebenso begeisterungsfähige wie arbeitsfreudige Mitarbeiterin fand.

„Zwanzig Jahre im Kunstverein – schöner kann Arbeit gar nicht sein.“
Helena Vetter-Büttner

Humpert ermöglichte nicht nur ein spannendes Ausstellungsprogramm, sondern mit seinen Kunstsymposien bespielte er den öffentlichen Raum mit bis heute sichtbaren Spuren.

1990 gelang ein Sprung in die Professionalität: Mit Stephan Berg zog der erste hauptamtliche Geschäftsführer in die Räume im Schwarzen Kloster ein, die inzwischen die Bleibe des Kunstvereins geworden waren. Eine große Ausstrahlung und Außenwirkung war zu erkennen. So schrieb die Frankfurter Rundschau am 23. Januar 1993: „Wer in den von Stephan Berg experimentierfreudig auf neuen Kurs gebrachten Kunstverein kommt, weiß, dass ihn hier nichts sattsam Bekanntes erwartet.“ Stephan Berg ist nach Hannover gegangen, nachdem er noch den Umzug des Kunstvereins in die neue Bleibe im ehemaligen Marienbad 1997 erlebte, die Experimentierfreude ist geblieben.

Auf Stephan Berg folgten die jungen, engagierten Kunsthistorikerinnen Dorothee Strauß und Felicity Lunn mit jeweils ganz eigenen Handschriften, die das Ansehen des Kunstvereins weiter pflegten und mit interessanten, auch provokanten Ausstellungen, Vorträgen und Diskussionen einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftspolitischen Stellung des Kunstvereins leisteten.

Caroline Käding hält diese Tradition aufrecht und setzt deutlich eigene Akzente. Die von ihrer Vorgängerin begonnene intensive Arbeit in der Präsentation neuer Kunst führt sie mit einem ambitionierten und eigenständigen Ausstellungsprogramm von Gegenwartskunst fort. Neu formu­lierte Zielsetzungen zeigen den Weg: Der Blick in die internationale Szene mit der Ausstellung junger, auch noch unbekannter Künstler schärft die Wahrnehmung. Begleitet von Führungen, Vorträgen, Workshops mit Kindern und Erwachsenen, Künstlergesprächen und Diskussionen werden Inhalte und Hintergründe der ausgestellten Kunst vermittelt. Der Dialog mit anderen Kunstsparten gehört ebenso zum Programm wie der gesellschaftspolitische Diskurs.

Die regionalen Künstler haben im künstlerischen Beirat ihr Sprachrohr, gestalten den „ddd“ (der dritte Donnerstag), der auch interessierten Mitgliedern offensteht, berichten über Auslandsaufenthalte („back_from“) und stellen im Rahmen der „Regionale“ und der Galerienwoche „DASSOLLKUNSTSEIN“aus.

„Der Kunstverein ist für mich das Fenster zur zeitgenössischen Kunst deutschland- und europaweit. Ihn zu unterstützen ist mir ein großes Bedürfnis.“
Susanne Kühn

Über 600 Mitglieder tragen und beleben den Kunstverein und vermitteln seine Bedeutung in die Stadt. In der aktuellen Satzung lautet der § 2:
„Der Verein setzt sich die Förderung der Kunst, des allgemeinen Kunstverständnisses und die Kunstvermittlung zum Ziel.“

Es hat sich also an den Grundaufgaben, die sich der Kunstverein stellt, seit seiner Gründung nichts geändert. Grundsätzlich geändert haben sich die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, eine Herausforderung, der sich der Verein stellt.

„Denn zwischen gestern und heute ist nur ein Moment. Und ein unendlicher Augenblick.“
Jochen Ludwig

Alle in Anführungszeichen gesetzten Zitate stammen aus der Broschüre zum 181. Geburtstag des Kunstvereins: „1827 – 2008, 181 Jahre Kunstverein Freiburg von Bürgern für Bürger“, Freiburg 2008.